Im Fokus der Meditationsforschung:
40 Hertz - die Frequenz der Stille?


Auf der Suche nach spirituellen Erfahrungen entwickelten Therapeuten und Weisheitslehrer in den letzten Jahren viele neue Meditations- und Entspannungsverfahren. Das Ziel: Um inneren Frieden, Ruhe und Glück zu finden, sollte sich der moderne Mensch in die Welten des tiefen Bewusstseins versenken.

Halten die Meditationstechniken, was Zenmeister, Gurus und Therapeuten versprechen?

Neuzeit-Gurus, wie der Inder Sri Sri Ravi Shankar oder der Deutsche Benediktinerpater Willigis Jäger haben Konjunktur. In dem Meditationszentrum Benediktushof bei Würzburg, z. B. lassen sich jährlich mehrere tausend Kursteilnehmer von dem Benediktinermönch und Zenmeister Willigis Jäger zeigen, wie sie zu tieferen Erfahrungen, mehr Achtsamkeit und innerer Ruhe gelangen können.

Auf der Suche nach der Frequenz der Stille

Neurowissenschaftler bestätigen, dass sich Menschen durch Meditation in die Lage versetzen lassen können, ihr Alltagsbewusstsein zu überschreiten. Bei Yogasitzungen und Meditationsübungen kam es zu Phänomenen, die von den Wissenschaftlern als Bewusstseinserweiterung und spirituelle Veränderung interpretiert wurden.

Welche Kräfte verbergen sich hinter meditativen Techniken? Hinterlassen Meditation und Ruhe Spuren im Gehirn? Waren die Wissenschaftler der Frequenz der Stille auf die Spur gekommen?

Professor Wolf Singer ist einer der führenden Neurowissenschaftler in Europa. Seit über 20 Jahren erforscht er am Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung die Grundlagen des Bewusstseins.

Er fand heraus, wie Neurone mit einem Erkennungscode - auf der so genannten Gammafrequenz - synchron kommunizieren und Hirnareale miteinander in Kontakt treten. Ob allerdings Meditation das Gehirn nachhaltig verändern kann, blieb in den 80er Jahren noch ungeklärt.

 

Forscher des Mind & Life Institute entdecken die Frequenz der Stille

Während einer internationalen Konferenz des Mind & Life Institutes in Washington (2005) traf Prof. Wolf Singer mit den Meditationsforschern Jon Kabat-Zinn, Richard Davidson und dem tibetischen Mönch Matthieu Richard zusammen. Seit Ende der 90er Jahre hatten die Wissenschaftler im Auftrag des Dalai Lama die mentale Wirkung von Meditation auf Körper und Bewusstsein untersucht. Mit Erfolg. -
Für Prof. Wolf Singer stand damit fest: Meditation kann zu tief greifenden Veränderungen im Gehirn führen. Als Beweis wurden dem Frankfurter Hirnforscher EEG-Kurven und Hirnscans von tibetischen Mönchen mit langjähriger Meditationserfahrung vorgelegt. Die EEG-Ableitungen zeigten eine eigenartige Frequenz, vergleichbar mit einem speziellen Code für das Bewusstsein im Gehirn.

Hatten die amerikanischen Forscher per Zufall die Frequenz der inneren Stille entdeckt? 

Prof. Wolf Singer über die Folgen der Entdeckung: „Gehen wir einmal davon aus, dass synchron-auftretende Gamma-Frequenzen die Bewusstseinsprozesse im Gehirn koordinieren, dann hätte eine mentale Trainingsmethode – wie das Meditieren, indem es die Synchronsteuerung verstärkt - einen sehr bedeutenden Einfluss auf die Hirnfunktionen.“

Die Frequenz der Stille hält Einzug in Kliniken

Die neuen Erkenntnisse der Meditationsforscher haben inzwischen in vielen amerikanischen und europäischen Städten Einzug gehalten. Seit rund zehn Jahren setzen die Neurowissenschaftler Richard Davidson und Jon Kabat-Zinn Meditation als Trainingsmethode in Schmerzkliniken ein. Meditation ist für Jon Kabat-Zinn, den Erfinder der so genannten „Achtsamkeits-Meditation (mindfulness-based-stress-reduction)“ ein Weg zu mehr Gelassenheit, Sinn und Erfüllung.

„Natürlich ist der Schmerz nicht vollständig verschwunden", sagt eine Patientin, die an einer klinischen Studie an der Universität von Maryland teilnimmt. „Aber durchs Meditieren wird es leichter. Ich schiebe den Schmerz jedoch nicht beiseite. Sondern auf eine friedvolle Art werde ich mit ihm eins. So kann ich die chronischen Schmerzen viel besser aushalten.“

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